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Informationen zu aktuellen Veranstaltungen des Vereins für Orts- und Heimatkunde Kirchhellen

Hier finden Sie kurze, aktuelle Erläuterungen zu den demnächst anstehenden Veranstaltungen.

Ausstellung Johann Breuker und seine Zeit

Die dritte Ausstellung im Jahre 2017 befasst sich mit dem Lebenswerk des vor 200 Jahren geborenen Kötters, Verlegers und Sozialreformers Johann Breuker. In diesem Zusammenhang werden auch andere Sozialreformer des 19. Jahrhunderts vorgestellt. Weiterhin wird die Zeit um 1870 vorgestellt. Dafür wurde eigens ein "Raum im Raum" gezimmert, in welchem ein Zimmer aus der damaligen Zeit eingerichtet wurde.

Johann Breuker (1817-1885) war ein Bauer aus dem Ortsteil Hardinghausen, der sich für das Existenzrecht der freien Bauern einsetzte und damit gegen die Preußische Landreform, die die Bauern zwar frei, aber arm gemacht hatte. Für Preußen ein gutes Geschäft: Die landwirtschaftliche Fläche verdoppelte sich fast von 1807 bis 1848. Mit ihnen wuchsen die preußischen Rittergüter, auch auf Kosten der Allmende, die landwirtschaftliche Fläche eines Dorfes, die alle nutzen konnten. Folge: Immer mehr Kleinbauern mussten ihr Land an Großgrundbesitzer verkaufen und sich selbst als Landarbeiter ernähren. Das ist der Hintergrund von Breukers Kernforderung: „Bauer muss Bauer bleiben.“

Mit diesem Ziel gründete er 1868 den Kreisbauernverein, dessen Nachfolger heute 1112 Betriebe im Vest angehören. Diese Überzeugung vertrat er ab 1870 mit seiner Zeitung „Westfälischer Bauer“. Und der Existenzsicherung der Bauern diente auch der Kirchhellener Spar- und Darlehenskassenverein, zu dessen Gründung er maßgeblich beigetragen hatte. Für seine Überzeugung ging Breuker sogar ins Gefängnis: Dreimal war er zwischen 1872 und 1875 wegen „Störung des öffentlichen Friedens“ angeklagt.

Kernstück der von Willi Stein konzipierten Ausstellung ist neben dem Nachbau einer Bauernstube aus dem 19. Jahrhundert die Breuker-Biografie, die der Heimatvereinsvorsitzende Peter Pawliczek für die Video-Präsentation eingelesen hat. Sie spart auch die schwierige Beziehung zwischen Breuker und dem westfälischen Adligen Burghard Freiherr von Schorlemer-Alst nicht aus. Schorlemer und Breuker waren seit 1868 Mitstreiter für die Rechte der Bauern. Schorlemer gründete 1871 den Bauernverein für ganz Westfalen, Breuker wurde Vizepräsident. 1883 kam es zum Bruch zwischen den beiden Bauernverbands-Funktionären, als Schorlemer Breukers Zeitschrift als Sprachrohr „seines“ Verbandes beanspruchte. Überliefert ist Breuker verbitterter Ausruf: „Wo waren die Herren, als ich im Gefängnis saß?“ Als Breuker zwei Jahre später starb, würdigte ihn das „Dorstener Wochenblatt“ als „eigentlicher Gründer des ersten Westfälischen Bauernvereins“. Schorlemers Nachruf dagegen fiel so dürftig aus, dass er wohl zu Recht als Affront verstanden wurde.

abgeändert nach "Johann Breuker: Ein Kämpfer, der verbittert starb", Zeitungsartikel WAZ 23.10.2017 von Kai Süselbeck