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Ripprapp - Lieder der Volkspoesie

Ein besonderes Kapitel sei dem Ripprapp, einer besonderen Art von Volkspoesie, gewidmet. Der verstorbene Dr. Bette aus Gladbeck hat sie für Kirchhellen und Gladbeck bereits vor vielen Jahrzehnten gesammelt. Die Kirchhellener Ripprapp sind in den Gladbecker (Kirchhellener) Blättern aus 1928 veröffentlicht. Bette sagt über die Ripprapp folgendes:
Ein Ripprapp ist ein Lied, das meist aus soviel Versen besteht, wie Häuser im Dorf oder in der Bauernschaft sind. Die Insassen dieser Häuser werden der Reihe nach kurz schelmenhaft charakterisiert. Mitunter steckt in dem  Ripprapp ein schafter Spott; manche Urteile scheinen aber auch nur des Reimes wegen entstanden zu sein. Die Ripprapps wurden entweder gesungen oder im Sprechgesang rezitiert. Einige von Ihnen sind dem lebenden Geschlecht noch bekannt, andere sind im verwirrenden Lärm der Industrie untergegangen, für immer. Das Alter der Ripprapps läßt sich bisweilen aus dem Alter der "Besungenen" Häuser erschließen. Noch besser kann man das Alter dieser eigenartigen Blüten der Volkspoesie feststellen, wenn man weiß, welche neueren Häuser in dem Ripprapp sind uns verständlich. Hin und wieder findet man nicht nur Derbheiten, sondern auch beißende Spöttereien. Diese Verse sind eben Kinder ihrer Zeit, und darum.

Wer die Vergangenheit will ganz verstehen, der muss auch hin zum Ripprapp gehen.

Nachstehend die Ripprapp aus Kirchhellen:
Über den "dicken Reis" kursierte folgendes Sprüchlein:

Overgünne sagg, es ess te dünne,
Pricke sagg, he ess te dicke,
Hilp Bäcker sagg, schmeckt lecker!

Aus Dorf Mitte sind nur folgende Verse überliefert:

Lepper, Pepper, Pulverhorn,
Apotheker - Manometer
Schlüters Pupstättken.

In Feldhausen ist es mit den Ripprapp ebenfalls spärlich bestellt:

Hemmers Dina sung un Jans de sprung,
dät emm de Knop van de Bukse gung.

Hardinghausen:

Benien rett bestrien,
frat Haunerdärme un Pieren,
Heckm Nummer enne,
Hasebrink mot de schmauke Tewe
Benien in de Gassen,
Rexforth hät niks me to daschen

Fortsetzung "Ripprapp":

Klowerkmap um denn Huk,
Pieperhoff met denn dicken Buk
Bergm met de Kastroll
Marienbur kiert ' Hus ut,
Althoff schmiet denn Dreck herut,
Overbeck met de bree Biele,
Strotm de kann se fielen,
Rottm in de Kann,
Blofärwer weet niks dovan;
Nols, de Bukse ess katolsch,
dät Hemp ess latinsch,
wat kieks du so wies.
Braukms Grotmul,
Ekamps Hochus,
Lafert in de Kuhle,
Baxmann in de Kann,
Herms Krässe,
Hütten Knurrlapp,
Rummel, de Bummel, de Boll.

Ekel:

Heuwing lett in 't Feld,
Rechm tällt dät völle Geld,
Schulte mit denn Töttelbart,
Schonefeld de süpt sick saat,
Dirks Bur schlött in 't Hackebrett,
Tönsbur sätt, wat klappert dät;

Kiskaloh lett boewen in 't Loh,
Klappe, de Weppe, de Wulf in 't Loh,
Hei, karrewei, karrewpp in 't Stroh,
Wienert hät denn dicken Speck,
Josten hät de Schwar geleckt,
Klösener schlött in 't Hackebrett,
Beukm sät, wat klappert dät,
Laaks de hät de grote Schür,
Michelt hät kenn Isen in 't Für,
Kasseböhmer hät dät grote Wiew,
Ackeroth sät, wat sin ick stief,
Kleppen Peter hät denn platten Steen,
dor löpt dät ganze Loh beneen;

Holtkamp schlacht 'n Kalf,
Pette kritt et half,
Nothelle kritt de Beene,
Baumester kritt de Knocken,
dor kann Endm Fett drut kocken,
Jungmann Jans de kritt 'n Statt,
dor schlött de Sand Heinrich wat met vo 't Gatt.

oder......

Schäpers Wenner kritt dät Fell,
dor springt Sandbur (oder Lewken) met öwert Gestell,

oder......

Pricke kritt denn Statt,
dor schlött he Vossm wat me vo 't Gatt.

Fahnebrauk denn Flottgräwer,
Schulte Ekel denn Wiesen,
Pelster denn Griesen,
Mos dät olle,
Fiele met de bree Biele,
Schenke denn Wenke,
Heuwing lett hog in 't Feld,
Rechm tällt dät grote Geld,
Tönsbur schlött in 't Hackebrett,
Dirksbur sätt, wat klappert dät,
Breil, karrewei, karrewupp in 't Stroh,
Linnemanns Rür pisst be Veelmann an de Dür;

Lür, Lür, Leuchte - achter Baukholt ess't so seute,
Ombecks Rundhaut,
Schlöttners Platthaut,
Fahnebraucks Flottgräwer,
Schulten Holtknapp,
Pelsters Ducknacken,
Mos Tripplack,
Fiele met de bree Biele,
Schenke denn Wenke,
Rotthoff met de grote Mule
steht be Breil in de Schinnerkuhle,
Breil denn Griesen,
Heuwing denn Wiesen;

Schole Nummer eene,
Jünger löpt nech gern alleene,
Rickert ritt op 'n Knicker,
Bernsbur schmett 'n Haut in 'n Wind,
Breil hät alle Johr 'n Kind,
Heuwing ess 'n godden Mann,
Wo man niks van säggen kann.

Holthausen:

Wienerts Pufferbäcker,
Hasken Opfretter,
Holz Kinnerkopp,
Gertz Olgekännken,
Flockerts Wienkännken,
Mierms Hengst,
Jaas Pauhahne,