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Kirchhellen bewahren - gestalten - erleben

Tappenhof

Tappenhof

Der Tappenhof nimmt an der Dorfheide seinen Anfang und führt dann durch das Neubaugebiet nach Osten bis zur Gladbecker Grenze, wo er dann den Namen Schanzenheide bekommt. 

Der Tappenhof war ein Kotten unweit von Schlagkamp - Niewerth. In England ist eine "tapeley" eine nasse Wiese, im Spanischen heißt "tap" Lehm und im Provencalisch-Lombardischen nicht anderes als Schlamm. Somit hätten wir auch hier ein Beispiel für das hohe Alter Kirchhellener Flurnamen, die nicht aus germanischer, sondern aus prähistorischer Zeit stammen müssen.

Theo-Kleppe-Weg

Der Theo-Kleppe-Weg ist ein Weg im Neubaugebiet Tappenhof zwischen der Hellen Straße und dem Tappenhof.

Benannt ist der Weg nach dem Kirchhellener Grafiker Theo Kleppe, der in vielen Zeichnungen seine Heimat dargestellt hat.     

Töfflinger Straße

Töfflinger Straße

Sie bildet die Verlängerung der Burgstraße durch die Hohe Heide bis zum Burenbrock. 

Benannt ist sie nach dem dort am 30.5.1914 von Wilderern im Alter von 53 Jahren erschossenen Förster Paul Töfflinger. Er hinterließ eine Frau mit neun Kindern im Alter von vier Wochen bis 16 Jahren.

Am 20. Jahrestag er Mordtat wurde das dort bereits errichtete Kreuz durch einen Findling ersetzt als bleibendes Mal an diese furchtbare Tat.      

Tönsholter Weg

Dieser Weg führt entlang der Bahnlinie Gladbeck - Felhausen - Dorsten von der Straße "Im Mandel" bis an die Grenze Dorstens.

Benannt ist sie nach dem "Tönsholt", an dem auch die so benannte Siedlung liegt.

"Töns" ist der Antonius, besser der Sohn des Antonius = Töns-sohn = Töns wie Tönsing oder Tönsen. Nach welchem Antonius dieses Holt (Wald, Busch) benannt worden ist, lässt sich nicht mehr feststellen.        

Töpferstraße

Die Töpferstraße liegt im "Handwerkerviertel" Grafenwalds.

Der Töpfer war der "Pottbäcker", der Mann also, der aus Ton irdene Töpfe auf der Drehscheibe drehte, die dann nach dem Trocknen im Ofen "gebakken", gebrannt wurden.

Töttelberg

Diese Straße ist die Verbindung zwischen Utschlagstraße und Hiesfelder Straße. Benannt wurde sie nach dem dort nunmehr abgetragenen Sandberg am Alten Postweg. 

"Tetten", "Tötten", "Todten" sind vorgeschichtliche Bezeichnungen für Sumpf und Moor. Auch hier wird man sich fragen, wie verträgt sich denn Sand mit Moor? Die Antwort: gar nicht, denn auch hier hat der "Berg" wie der Reckelsberg seinen Namen nach dem dazugehörigen Gewässer (Quellgebiet des Schwarzbaches).

Tuchmacherstraße

Die Tuchmacherstraße liegt in dem (fast) ausschließlich nach zum Teil alten Handwerken benannten Gebiet südlich der Schneiderstraße.

Tuchmacher waren spezielle Weber, die ausschließlich feine Wollgewebe herstellten.

Up de Wälle

Sie verbindet die Dinslakener Straße mit dem Packskamp. 

Up de Wälle

"Up" heißt hier nicht "auf", sondern "oberhalb". "Wälle" ist auch nicht die Mehrzahl von "Wall" = Erdaufschüttung, sondern eine Bezeichnung für sumpfiges Gelände. Somit heißt "Up de Wälle" nichts anderes als "Oberhalb des sumpfigen Geländes". 

Aber hier ist auch eine andere Deutung möglich: In der Nähe befindet sich das Anwesen Lanfermann. Der Familienname Lanfermann ist nichts anders als "der Mann an der Landwehr", der Landwehrmann. Dort ist wohl die Kirchhellener Landwehr zu suchen, die Schanzen, die "Wälle" zum Schutze des Vestes Recklinghausen gegen Angriffe aus dem äußersten Westen. Erwähnt wurden diese "Schanzen bei Kirchhellen" im Jahre 1585. Da ließ nämlich der Statthalter des Vestes Recklinghausen, Georg von Brabeck, im sogenannten "Kölnischen Krieg" (1583 - 1588) Schanzen aufwerfen und durch "Rotten dienstlicher Bauern" besetzen, um den angreifenden Feind abzuwehren. Die Maßnahmen haben übrigens nichts bewirkt, der Feind überrannte sie und verbrannte sogar die Burg Brabeck.

Utschlagstraße

Utlschlagstraße

Die Utschlagstraße ist die Verlängerung der Straße Sensenfeld zur L 623 (Bottroper Straße).

Ihren Namen hat sie nach dem Hof Utschlag, der bereits im Jahre 1660 im Kurfürstlichen Lagerbuch erwähnt wurde: "Berndt Utschlag, gehört nacher Brabeck, gibt in contribution (Abgabe) 1 1/2 rixort" (Reichsort - 1 Ort ist der vierte Teil des Ganzen, hier also 1/4 Reichstaler).

Zur Deutung des Namens: "Ut" und "Uts" waren im Mittelalter beliebte Abkürzungen für Ulrich. Da "Ut" hier aber nicht Grund-, sondern Bestimmungswort ist, lässt sich diese Deutung wohl nicht halten. 

Das "Ut" könnte man als unser heutiges "aus" verstehen. Es gehört aber sicherlich mit den Wörten "Ot, Od, Ut, Ud" zu den indogermanischen Wörtern, die Wasser, Moor und Sumpf meinen. "Utschlag" wäre somit die gerodete, kahlgeschlagene Flur am Wasser oder Sumpf.

Vikars Kamp

Diese Straße geht eigentlich mitten durch den Vikarskamp in Feldhausen.
 
Bei der Stiftung der Vikarie St. Marien im Jahre 1473 wurde sie mit Ländereien ausgestattet, die den Unterhalt des Vikars sicherstellen sollten, denn eine Besoldung im heutigen Sinne gab es damals noch nicht. Zu diesen Ländereien gehörte auch der Bereich, der von der obigen Straße durchschnitten wird. Der Kamp war lange Zeit an zahlreiche Feldhäuser verpachtet, die hier ihre Gärten oder kleinen Acker hatten. 
 
Eine soziale Tat war dann die Vergabe als Bauland zum Kauf oder als Erbpachtgrundstücke durch den damaligen Pastor Oomen, und so entstand die Siedlung Vikarskamp. Bei der notwendig gewordenen Friedhofserweiterung tauschte die Pfarre dann den noch verbliebenen Teil dieses Kampes mit den Erben Küster und der damaligen Gemeinde Kirchhellen.

Vogelsrauh

Vogelsrauh

Sie ist eine Straße zwischen dem Hoheheideweg und dem Tappenhof.
 
Man will die Bezeichnung davon herleiten, dass hier in alter Zeit die Vogelstange zum Königsschießen bei den Schützenfesten aufgestellt wurde. Was soll aber dann das „rauh“? Wenn wir an die vielen Orts- und Geländenamen in Verbindung mit der Silbe „Vogel“ denken, die alle nichts mit dem Vogel zu tun haben, könnte das hier auch wohl der Fall sein (Vogelsberg, Hochvogel,  Vogelheim). 
 
„vog“ und „vog-l“ ist eine uralte Bezeichnung für Sumpf und Moor. Wiederum ein Beweis, dass die dort ehemals ansässig gewesene vorgeschichtliche Bevölkerung Namen wählte, die auf die einstige Bodennatur Bezug nahmen. 
 
Was sagt dann aber die Silbe „rauh“? Dieses „rauh“ scheint identisch zu sein mit „ruh“, „ruh-l“, „rusche“, lat.: ruscus = die Binse. Alle diese auch prähistorischen Wörter deuten auf sumpfiges Gelände. Wir hatten hier dann sogar eine Bedeutungsverdoppelung.         

Von-Braun-Straße

Die Von-Braun-Straße liegt im Gewerbegebiet Grafenwald südlich der Brandenheide.  

Von-Galen-Straße

Von-Galen-Straße

Die Von-Galen-Straße befindet sich im Wohngebiet zwischen Liboriweg und „Am Dornbusch“.
 
Clemens August, Graf von Galen, war von 1933 bis 1946 Bischof von Münster. Durch seine unerschrockene Haltung gegenüber den NS-Machthabern hat er sich weltweiten Respekt verschafft, sie trug ihm den Ehrentitel „Löwe von Münster“ ein. Am 21.2.1946 ernannte Papst Pius XII ihn zum Kardinal. 
 
Dass gerade Feldhausen eine Straße nach ihm benannt hat, kommt nicht von ungefähr, war er doch mit den letzten Besitzern des Hauses Beck, von Wenge und Wolff Metternich, verwandt. Freiin Clementine von Wenge heiratete Maximilian Freiherr von Ketteler. Aus dieser Ehe ging unter anderem der „Sozialbischof“ Wilhelm Emmanual von Ketteler hervor. Dessen Schwester Sophie vermählte sich mit dem Grafen Matthias von Galen, sie wurde Mutter des späteren Kardinals.

Vossundern

Diese Straße läuft von der Bottroper Straße als Fortsetzung der Hegestraße auf die Straße „Zur Grafenmühle“.
 
In diesem südlichen Bereich Kirchhellens haben wir grenzüberschreitend drei „Sondern“ oder „Sundern“: 
 
Auf Bottroper Gebiet als Teil des „Kölnischen Waldes“:
1. Sondern oder Bischofssondern.

Auf Kirchhellener Gebiet:
2. Vohssundern und
3. Junkeren Sondern.
 
Nun zur Deutung der Namen: Die Silbe „Voss“ hat nichts, wie man vermuten könnte, mit unserem Fuchs zu tun. Wir finden dieses Wort auch in anderen Orts- und Bach- oder Geländenamen: Vossenack in der Eifel; dieses Vossenack entspricht dem Vossenaken in
Belgien und an der Ruhr, Füssenich bei Düren, Fusenich bei Trier, Fussigny in Frankreich, der Vussem (Bach in der Eifel), das Vossmeer in Holland, Vossiepen bei Hagen u.a. 
 
Alle diese Spielarten des Wortes „Voss“ bedeuten nichts anderes als sumpfiges Wasser, kein Wunder bei der Vielzahl der Gewässer, die dieses Gebiet aufzuweisen hatte und noch aufzuweisen hat: Schwarz- und Rotbach, Spechtsbach, Schöttelbach, Kleine Boy, Mühlenteich und viele kleinere Zubäche ohne Namen.
 
Nun zu „Sundern“. Hier scheiden sich die Geister: Die einen wollen den Begriff vom heutigen Wort „absondern“ herleiten. Dagegen spricht aber die Tatsache, dass in allen Fällen die Frage nicht oder nur recht fadenscheinig beantwortet werden kann, woher denn dieses Gebiet „abgesondert“ sein soll, zumal die Grundform ja „Sondern“ oder „Sundern“ heißt mit dem besitzanzeigenden Beiwort: Bischof als dem Eigentümer des Sundern oder Junkeren, das den Junker als Eigentümer des Sundern nennt. 
 
Parallelen zu diesem Wort „Sundern“, „Sondern“ gibt es nun wieder die Fülle: Sondern bei Olpe; Sündern bei Bückeburg; Sundern im Kreise Arnsberg und Lübbecke; der Sonderwald in Thüringen' die Gehölze „Im Sonder“ z.B. bei Gertenbach an der Werra; der Sonderkopf im Reinhardswald. Auch im Englischen gibt es Namen mit diesem Wortstamm: Sundercumbe (cumbe ist unser Kump = Topf und meint immer Sumpf- und Moderkuhlen. Ein Sonderbach fließt zur Vechte usw. Auch der Familienname "Sondermann" meint den Mann, der im Sonder, d.h. im moorigen Gelände gebaut hat. So durfen wir getrost das Wort „absondern“ absondern! 


Quelle: Nr. 17 der Schriftenreihe des Vereins für Orts- und Heimatkunde Kirchhellen