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Kirchhellen bewahren - gestalten - erleben

Im Acker

Stichstraße zwischen Alter Postweg und Sensenfeld. Ob hier ein besonderer Acker gemeint ist, wagen wir zu bezweifeln, da eine Flur mit diesem Namen nicht bekannt ist. Es wird sich hier wohl um eine Verlegenheitslösung handeln, oder versteckt sich in „Acker“ das vorgermanische „akara“, das sich in „Acker“ oder „Acher“ bei Aachen wiederfindet? Dieses Wort „akara“ ist das indogermanische „ak“. Hierauf gehen die Wortbildungen „Ache“ = Bach zurück. Siehe: Eberach, Ebrach, Achenbach, Achern an der Acher bei Karlsruhe, Achensee in Tirol, die nach der Ache benannten Achenberge in der Schweiz. Auch das lateinische „aqua“ für Wasser ist hier zu suchen. Es gibt die Akebecke, Ackersiepen, die Acke usw. Hier könnte irgendwann einmal ein altes Dokument mit entsprechender Flurbezeichnung Klarheit schaffen.

Im Breil

Im Breil

Der Weg führt von der Straße Tappenhof zur Hackfurthstraße. „Breil“ oder „Brühle“ (mit unserer heutigen Bezeichnung Brühe gleichzusetzen) war die Bezeichnung für eine Sumpfwiese. Dieser Begriff ist auch noch erhalten in: Brohl; Brühl bei Bonn; Brühl als tiefliegende Stadtteile von Kassel, Worms und Erfurt; Borgeln, ein See bei Soest. Um 1160 heißt es von diesem See: „ ... lacus, quem vulgo Broilvocant“ = ein See, den die Allgemeinheit „Broil“ nennt. Einige Kirchhellener Geschlechter trugen sogar diesen Namen als Eigennamen: Große Breil und der Nachbarhof Kleine Breil. Wir können heute noch nachvollziehen, dass beide Höfe, an einem Bach gelegen, der ebenfalls Breilsbach heißt, auf sehr feuchtem Untergrund gelegen waren und deshalb ihren Namen zu Recht trugen.

Im Grund

Der Weg stellt die Verbindung zwischen Schloßgasse und Feldhausener Straße her. Da das Gelände sich stetig zum Mühlenbach absenkt, ist die Bezeichnung „Grund“ hier in seiner ursprünglichen Bedeutung anzusehen: Das Tiefliegende.

Im Kamp

Der Weg „lm Kamp“ zweigt vom Kuhberg von der Dorstener Straße nach Westen ab und endet „Auf dem Schimmel“. In dem Wort "Kamp" steckt das lateinische "campus", das das Ackerland, das Saatfeld meint. Bevor die offizielle Namengebung der Straßen und Wege erfolgte, war diese Bezeichnung in Feldhausen bereits festgeschrieben.

Im Loh

Im Loh

„Im Loh“ ist die Verbindung zwischen Münsterstraße und Gahlener Straße im Ekeler Raum.
 
Die alte Flurbezeichnung wurde früher als aus dem Worte „Lohe“ = Gerberlohe kommend, gedeutet. Dagegen spricht aber die sehr alte Bezeichnung Ekeloh. Die Silbe „Loh“ steht hier für Gebüsch, Wald. Ekeloh hieße somit Eichenwald. Siehe auch die Familiennamen Lohkamp, Lohkämper, Löker, Lohmann- Dieses „lo(h)“ steckt auch in dem lateinischen "lucus" = der Wald, der heilige Hain. Im Althochdeutschen wurde daraus "loh" = bewachsene Lichtung (germanisch „lauh“ = lichtes Gehölz; indogermanisch „loukos“ = Waldblöße).

Im Mandel

Dieser Weg ist insbesondere ein schöner Spazierweg von der Warner-Allee in Feldhausen in weitem Bogen hinter dem Movie Park her. Er endet in der Höhe der Dorstener Grenze auf dem Tönsholter Weg.
 
Dass dieser Name nichts mit der Bittermandel zu tun hat, ist sicherlich klar. Zugrunde liegt hier der alte keltische Name „Mandra“ für Bach, läuft dieser Weg doch weitgehend parallel mit dem Mühlenbach. Siehe auch: Mandel bei Kreuznach; Mandeln im Quellbezirk der Dill/Westerwald; Manderfeld; Manderscheid usw.
 
Eine Herleitung vom mittelhochdeutschem „mantel“ oder „mandel“ für Föhre = Kiefer wäre auch möglich.

Im Nieland

Ein Weg zwischen Burgstraße und Bottroper Straße. Nele, Neile, Niele sind prähistorische Wasserwörter.

Im Pinntal

Im Pinntal

Der Weg verbindet die Münsterstraße hinter dem neuen Friedhof her mit der Gartenstraße.

Da ein wenig nördlich dieses Weges der Bräukebach entspringt, liegt es nahe, die Silbe "Pinn" wiederum mit Wasser in Verbindung zu bringen. "Pinn" meint tatsächlich Sumpfwasser (griechisch: pinòs = Schmutz).

Deutlich wird die Bedeutung in "Pinnenbrok" bei Lemgo (brok = Moor); Pinn-Ellern (Ellern = Erlen) bei Detmold; Pinneberg/Hamburg; Pinndorn bei Detmold.

Im Schwarzwald

Diese Straße umschließt das Wohngebiet östlich der evangelischen Pauluskirche. Bei diesem Straßennamen zeigt sich so recht deutlich, wie sinnentstellend Übersetzungen aus dem Ursprünglichen sein können, wenn der Übersetzer die (plattdeutsche) Sprache nicht kennt und gedankenlos Deutungen versucht. Ursprünglich hieß die Flurstückbezeichnung: Up de schwatten Wälle. „Up“ heißt auch hier nicht „auf“, sondern „oberhalb“. „Wälle“ ist auch hier nicht die Mehrzahl von „Wall“ = Erdaufschüttung, sondern eine Bezeichnung für sumpfiges Gelände. Somit hätte „Up de schwatten Wälle“ nichts anderes geheißen als „Oberhalb des sumpfigen Geländes“. Wer in diesem Bereich ein Haus gebaut hat, wird bestätigen, dass der Name zu Recht bestand.        

Im Spring

Im Spring zweigt von der Straße „Zur Grafenmühle“ ab und endet am Alten Postweg.
 
Wer Spring mit „Quelle“ deutet, liegt nicht so falsch. Was soll aber das „im“? In einer Quelle kann doch wohl niemand wohnen, wohl aber im Quellgebiet eines Baches oder Flusses (Pötteringsbach), das zumeist feucht und sumpfig war.
Bei uns in Kirchhellen bezeichnete man auch die hier vorkommenden artesischen Brunnen, Brunnen-Quellen also, bei denen das Wasser ohne Zuhilfenahme von Pumpen aus dem Boden kam (Dringenburg, Wiesental), als Spring.

Im Venn

Diese Straße stellt die Verlängerung der Straße „Im Spring“ bis zur Straße „Zur Grafenmühle“ her. Hier meint Venn oder Veen auch heute noch richtig Moor oder Sumpf. Veen wurde bei uns in Kirchhellen auch zum Familiennamen.

Im Wenkendiek

Eine Straße, die den Wohnbereich nördlich der westlichen Hauptstraße umfasst.
Benannt ist sie nach dem ehemaligen Haus und Hof Wenkendiek. Die Silbe „Diek“ meint den Teich. „Wenke" oder auch „Wenge“ ist der Bach oder Fluss, aber auch das zum Bach oder Fluss abfallende Gelände.

Im Winkel

Ein Verbindungsweg von der Feldhausener Straße zum Hof Borgmann, dort nach Osten abknickend zum Lohbrauksweg.
Es gibt in Kirchhellen zwei Flure namens „Im Winkel“. Das eine Flurstück liegt im obigen Raum, das andere im Bereich der Flur 6, also im äußersten Nordwesten. 
Bei der Deutung des Begriffs Winkel verließen uns alle Wörterbücher, obgleich es die Eigennamen „Winkel; Winkler; Wink; Wınkelrıed; Winkelmann; Gerbod zu dem Winkel (1343); In dem Wınkele“ und Ortsnamen wie z. B. Winkel bei Rüdesheim die Fülle gibt. Es wird sich wohl um das geometrische Gebilde „Winkel“ als Ortsangabe handeln. (Das althochdeutsche „Winkil“ meint eine Biegung oder Krümmung.)

Imkerweg

Er liegt im „Handwerkerviertel“ in Grafenwald zwischen Schneider- und Gerberstraße. 
 
Als Hauptberuf wurde die Imkerei bei uns in Kirchhellen nie betrieben, sie besaß jedoch bis in unsere Zeit zahlreiche Anhänger, die den Beruf als Hobby oder Nebenerwerb betrieben.

In den Höfen

Diese Straße läuft durch einen „Drubbel“ von Höfen vom Brabecker Feld bis zur A 31. Dort endete die Straße nicht immer, sondern führte über die heutige Straße "Im Breil" bis zur Hackfurthstraße.
 
Man könnte es sich mit der Namendeutung sehr einfach machen - vielleicht ist es auch so einfach - und von dem dichten Nebeneinander der Höfe Overgünne, Bornemann, Eggendorf, Schäper, Baumeister, Hörsken, Hackfurth usw. ausgehen. Steckt aber wirklich nichts anderes dahinter? Im Plattdeutschen hieß der Bereich „In ne Höawe“. Wenn nun „Höawe“ von „höven“, „heven“ kommt, das wieder einmal Wasser, Sumpf meint, bei dem Wasserreichtum in diesem Gebiet gar nicht von der Hand zu weisen. 
 
Eine weitere Deutung wäre möglich, Wobei dann auch das „in“ einen Sinn bekäme. Leiten wir „Höfe“ oder (nd.) „Höawe“ von „höve, hove“ = Berg oder Hügel ab, so läge das Gebiet „in“-mitten der Hügel: Karnickelberg (75 m), Hülskens Berg (62 m) und Baumeisters Berg (74 m). Es gibt einen Hövelsberg im Hünxer Wald und den Familiennamen Hövel bei uns in Kirchhellen.

In der Bräuke

Ein Weg, der von der Straße "An der Dringenburg" bis zum Mühlenpatt über dei A 31 quer durch die „Bräuke“ geht.
 
Die Bräuke ist das große Sumpfgebiet, das vom Schölsbach mit seinen Nebenbächen entwässert wird. Flurstücke in der Zusammensetzung mit dem Begriff „Bräuke“, „Brauk“, „Brock“, „Bruch“ besitzen wir in Kirchhellen immerhin 23. Sie bezeichnen allesamt dieselbe Geländeart, nämlich Sumpf und Moor (ahd. „bruoh“; Westgerm. „broka“).

In der Koppel

In der Koppel

Diese Straße verbindet die Bottroper Straße über Burgstraße und Rentforter Straße hinweg mit der Dorfheide.
 
Der Name ist kaum zu deuten. Vielleicht erklärt er sich aus dem keltischen Wort „Cob-l“ als Bezeichnung für Wasser. Es gibt einen Cobelbach bei Nagold, eine Kobelache (Ache = Bach) bei Dornbirn, ein Cobelwiel in Holland. Ein Bach ist ja „In der Koppel“ und „Auf der Koppel“ nicht weit (Wiesentalbach). Gehen wir aber von den vielen Eigennamen in der Zusammensetzung mit „Koppel-“ aus, Koppel, Koppelmann, Koppelmeier, Koppelkämper, so könnte auch eine gemeinsame Viehweide gemeint gewesen sein.

In der Miere

Ein schmaler Verbindungsweg zwischen Münsterstraße zur Schulstraße in Höhe der Einmündung in die Pelsstraße.
 
Der Verlauf dieses Weges durch die feuchte Niederung der „Miere“ sagt eigentlich schon alles über den Namen. Mi(e)re bezeichnet ein nasses, niedriggelegenes Gelände, kurz: einen Sumpf.

Johann-Breuker-Platz / Johann-Breuker-Straße

Dieser Platz ist der zentrale Kirchhellener Platz und liegt zwischen Oberhofstraße und Hauptstraße am sogenannten Bankenviertel entlang. Hier findet jeden Donnerstag der Wochenmarkt statt. Weiterhin ist der Johann-Breuker-Platz der Veranstaltungsort für den Kirchhellener Wintertreff und die "Kirchhellener kulinarische Landpartie".
 
Die Johann-Breuker-Straße ist nur noch eine kurze Straße am Rande des Platzes. Sie war früher für den Autoverkehr freigegeben, heutzutage dient sie der Anlieferung von Waren für die anliegenden Geschäfte und den Wochenmarkt.
 
Johann Breuker ist 1817 geboren und starb 1885. Er entstammte der Bauernfamilie Breuker, so die Schreibweise der Familie, in der Bräuke und war neben dem Freiherrn von Schorlemer-Alst Mitbegründer des „Westfälischen Bauernvereins“ sowie Redakteur der Fachzeitschrift „Der Westfälische Bauer“.


Quelle: Nr. 17 der Schriftenreihe des Vereins für Orts- und Heimatkunde Kirchhellen